Weltradeltour 3. Teil (2010) Kurzfassung von Wilfried & Gisela Hoffman

2006 wurde uns klar: Wir können noch sooft – wenn auch so untypisch anders – Urlauben, ein schnelles Ende ist dabei leider immer in Sicht. Wie viele Menschen auch, so vertrösteten wir uns gedanklich auf das noch ferne Rentenalter. Durch den frühen Tod unserer Väter wurde uns aber schnell bewusst, was mit erhofften Träumen urplötzlich geschehen kann. Eigentum verpflichtet! Wir verkauften viel von unseren geliebten Eigenheiten. Nach 6 Monaten war die unendlich erscheinende Liste abgearbeitet und die Reise konnte beginnen.

Weltradeltour 3. Teil

Beim Start unserer Weltradeltour waren wir zusammen schon 101 Jahre alt. Zum Glück war dies aber unseren Drahteseln egal. Wir hatten aber schon einige Radelerfahrungen aus vorher pedalten Touren. 2003 waren wir für 4 Wochen im Jemen unterwegs. Damals war radeln dort noch irgendwie möglich. 2004 besuchten wir unseren Sohn in Sri Lanka. Er war selbst 2003 von Deutschland aus in die weite Welt per Radel gestartet. Gemeinsam pedalten wir für 4 Wochen durch die herrliche Tropeninsel. Erst Jahre später reifte dann unser Entschluss die große Radelwelttour selbst zu wagen. Wir wollten unseren Sohn, sozusagen am Ende der Welt besuchen. 2007 war es endlich so weit. Wir hatten Martin versprochen zu kommen, allerdings würde es etwas länger dauern, denn mit den Rädern zu Besuch bis nach Neuseeland, dauert halt etwas länger. Aus diesem Versprechen wurde dann letztendlich unsere 4 jährige Tour um die Welt.


Ein Fazit unserer Reise: ,,Bei all den Erlebnissen über die vier Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit…‘‘


Ägypten

Wir sind ja Wüstenliebhaber, deshalb wählten wir für Richtung Süden die Wüstenstrecke von Kairo nach Luxor. Für die ca. 1500 km lassen wir uns 3 Wochen Zeit. Jeder Tag war irgendwie anders spannend. Am faszinierendsten fanden wir die Weiße Wüste. Die bizarren Gebilde aus Kalkstein brennen sich ins Gehirn. Eigentlich gab es nur ein kleines Problem auf dieser Strecke. Es war Januar. Und da ist es nachts, besonders gegen früh, so richtig kalt in der Wüste (nahe am Gefrierpunkt). Doch auch dafür fanden wir, eigentlich Gi, eine Lösung. Gi erfindet nämlich die Zeltbodenheizung.

Auf unsere täglichen abgebrannten Abendlagerfeuer schaufeln wir Sand. Darauf wird die Schutzplane gelegt und anschließend das Zelt gestellt. Mir war die Sache absolut zu riskant (bin ja ein Mann). Doch Frauen lassen ja nicht locker. Heute muss ich gestehen, zum Glück, denn die Bodenheizung funktionierte nach kleineren Anfangsproblemchen geradezu genial. Noch am Morgen war unser Zeltboden warm. Gi wollte von nun an nicht mehr auf ihre Zeltbodenheizung verzichten.

Von Luxor schipperten wir auf dem Nil nach Assuan. Von dort war wiederum Verschiffung angesagt. 24 Stunden dauerte die Überfahrt auf dem Nassersee zur Sudangrenze.


Sudan

Es war unsere erste Tour durch den Sudan. Zum Glück war die Wüstenstraße nach Khartum (ca. 1500 km) eine erst wenige Wochen vorher fertig gestellte Teerstraße. Aus älteren Reiseberichten hatte ich weit schlimmeres befürchtet. Auch in diesen Wüsten war das Trinkwasser bis zur Hauptstadt eines der Hauptprobleme. Es gab zwar an der Strecke immer wieder Tonkrüge mit Wasser, sozusagen Tonkrug-Raststätten, doch waren wir uns nie sicher, ob es auch wirklich trinkbar war? Wir wollten unbedingt vermeiden die Würmchenkrankeit (Bilharziose) unser eigen zu nennen. Entkeimungsmittel hatten wir nicht dabei. Irgendwie hat aber unser Gefühl, manchmal auch langes abkochen, gereicht, denn nun schon 2 Jahre wieder in der Heimat, hat sich nie ein Würmchen bei uns angemeldet.

Der Sudan selbst war eine große Bereicherung unserer Tour. Von den kleinen Brüdern, den großen Pyramiden in Kairo, den Meroe – Pyramiden und den Königsgräbern bei al-Kurra, waren wir begeistert. Zudem waren die Sudaner überaus Gastfreundlich. Der Abschied von diesem Wüstenland im Grenzort Gallabat ist uns sehr schwer gefallen.


Äthiopien

Genau wie Indien wurde Äthiopien für uns zu einer Hassliebe. You, you! Give me money, war fast täglich unsere Radel-Begleitmusik. Auch flogen ab und an Steine aus Kinderhänden.

Im ostafrikanischen Grabenbruch hatten wir aber auch viele Momente von Afrika pur. Einfach nur schöne Gefühle. An der Grenze bei Omorate führte für uns leider kein Weg über die Grenze. Omorate werden wir nie vergessen, denn der verweigerte Grenzübertritt (Grenzer Kenia), bedeutete für uns um die 600 km Umweg, davon gut 300 km Pisten, bis zum nächsten Grenzübergang.

2 Monate pedalten wir durch dieses widersprüchliche Land. Trotz mancher Probleme während unserer Radeltour können wir von Äthiopien nicht loslassen. Schon wegen des vorzüglichen Kaffees lohnt sich eine Tour durch Äthiopien.

Erst vor wenigen Monaten waren wir wieder dort. 


Kenia

Nach dem langen Radelumweg, bekamen wir am Grenzübergang Moyale die Visa problemlos. In den nächsten 2 Wochen pedalen wir am Mount Kenia vorbei, überqueren den Äquator und in Nairobi bereiten wir uns auf die Strecke zum Indischen Ozean vor.

Beim durchradeln von 2 Nationalparks erleben wir wieder Afrika pur. Wir sind gut gelaunt als wir unser Strandparadies in Tiwi am Indischen Ozean finden.

Als wir weiter Richtung Tansania pedalen erleben wir den Alptraum aller Reisenden. An einer Dschungelpiste werden wir von 4 Männern mit Macheten überfallen. Letztendlich haben wir aber unendlich viel Glück im Unglück. Mit nur 3 Packtaschen flüchten die Verbrecher im Dschungel. Das positive? Wir leben noch, sind gar unverletzt. Das negative? Wir müssen das erlebte irgendwie verarbeiten. Ich würde Ostafrika am liebsten sofort verlassen. Gi hat aber eine andere Eingebung. Warum geben wir uns und Ostafrika keine zweite Change? Gi hat Recht, wir pedalen weiter Richtung Süden.

Was uns allerdings gleich am ersten Radeltag nach dem Überfall bewusst wird und uns auch noch lange begleiten wird: Wir radeln nicht mehr so unbekümmert durch die Landschaft. Die Ereignisse sitzen zu tief.

Zur eigenen kopfmäßigen Sicherheit kaufe ich mir eine Machete und besorge mir einen langen Eisendraht. 


Tansania

In Tansania geht es uns kopfmäßig wieder besser. Die Strecke Richtung Kilimandscharo lässt sich gut radeln. Wir fühlen uns wieder mal sozusagen ``Jenseits von Afrika``, genießen die Landschaften, die wilden Tiere und unsere wiedererlangte Ausgeglichenheit.

Leider holt uns die manchmal auch harte Radler-Wirklichkeit wieder ein. Wir treffen 2 Radler(ein Russe und einen Polen). Beide wurden auch überfallen. In Arusha (Touristenzentrum am Kili) erzählt uns eine Engländerin von ihrem eigenen erlebten, sehr üblen Überfall.

Tage später, durch eine innere Eingebung von mir, entgehen wir glücklicherweise selbst dem nächsten Überfall. Wieder hatten wir viel Glück. Wir wollen unser Glück aber nicht überstrapazieren.

Fast 10.000 km liegen in Afrika hinter uns. Wir wollen keine Radelhelden werden. So steht dann recht schnell fest, wir radeln zurück nach Nairobi um Ostafrika zu verlassen. Eine unverdorbene Zeit ist für uns absolut wichtiger. Wir wollen unsere noch verfügbare Radel- Zeit in Ländern verbringen, in denen wir uns einfach auch gefühlsmäßig sicherer fühlen.

Jederzeit würden wir Kenia und auch Tansania wieder bereisen. Ob es allerdings nochmals mit den Fahrrädern sein würde, ist für uns bis heute eine offene Frage. Afrika kann sehr schön sein! Afrika kann sehr hart sein!


Jemen / Sokotra

Über den Jemen treffen wir auf Sokotra ein. Wir kennen einige Inseln dieser Welt, doch Sokotra wird unsere absolute Lieblingsinsel. Die Insel ist nur um die 150 km lang und 50 km breit. Deshalb beschließen wir, die Insel zu bewandern. Die Radel haben Pause. Die Rucksäcke werden geschultert.

Wir sind begeistert von der Inselschönheit, der Inselruhe, dem Inselfrieden,  denn grandiose Strände soweit das Auge reicht, Berge in Nebeln, Drachenblutbäume, Palmen im Wind und unglaublich nette Menschen versüßen uns die Zeit.

Auch hier sind die Menschen arm, doch wir fragen uns oft, warum hier alles so irgendwie anders gut für uns ist? Nur um die 100 km Luftlinie ist das rustikale Ostafrika von uns entfernt. Wir brauchen einige Zeit für eine Antwort, doch dann begreifen wir den Unterschied. Hier gibt es nicht den aggressiven Gegenspieler von Armut, nämlich den Reichtum. Unsere Herzen freuen sich über die Menschen. Sokotra ist eine Erholungskur für unsere Seele.

Die glückliche Inselzeit vergeht wie im Flug. Gestärkt in der Seele und an Körpergewicht verlassen wir unsere Lieblingsinsel Richtung Wüste.


Oman

Diesmal pedalen wir die über 1000 km in entgegengesetzter Richtung durch das ,,Leere Viertel``. Der uns bereits bestens bekannte Wüstenabschnitt ist wegen unserer Vorkenntnisse geradezu ein Vergnügen, denn uns sind ideale Lagerplätze und auch die so wichtigen Versorgungsstellen noch in bester Erinnerung. So können wir beim zweiten Versuch vieles weit besser eintakten. Die Zeit ist angefüllt mit Wüstenschönheit, Wüstenstille, Wüstennächten, Wüstenromantik, auch Wüstenanstrengungen, verschwitzten Tagen,  Essen mit Feinsandeinlagen, manchmal auch mit durstigen Kehlen. An der Grenze zu die Emirates sind wir uns einig. Zum zweiten Mal haben wir es geschafft, doch wir sind nicht stolz, wir sind nur unendlich glücklich, es erlebt haben zu dürfen.


Vereinigte Arabische Emirate

Al-Ain (die Quelle) ist eine der angenehmsten Städte im Sandland. Acht Monate im Jahr übersteigen die Temperaturen die 40-Grad Marke. Zum Glück ist Oktober. Wir genießen die 35 Grad auf der Autobahn von der Quelle bis Abu Dhabi. Sand gibt es dort nur am langen Strand. Beton, Glas, Aluminium und viel Marmor streiten im Verbund in Himmelsnähe. Tage später sind wir dann tatsächlich am Himmelstor in Dubai. Die unendlich erscheinende Höhe lässt den Burj Khalifia aus der Ferne nicht wie ein bewohnbares Hochhaus erscheinen, doch überzeugt uns der 828 m hohe Turm mit seiner Eleganz, seinen Sinnestäuschungen und verspielten Schönheit. Die Nächte selbst, verbringen wir aber den Wüstenfüchsen gleich, in den von uns so geliebten Sandmeerbergen.

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